Kategorie:Emotionale Erregung
Aufgrund der Anatomie des Auges kann plausibel hergeleitet werden, warum Eye-Tracking Daten als Indikator für die visuelle Aufmerksamkeitsausrichtung verwendet werden können. Dies hängt mit der Verteilung der Photorezeptoren auf der Retina des menschlichen Auges zusammen, welche so angeordnet sind, dass nur der Bereich des Gesichtsfeldes, der in die Fovea Centralis fällt scharf gesehen werden kann (Kain, 2007). Als Parameter für die Aufmerksamkeitsausrichtung kann die Fixationshäufigkeit herangezogen werden. Wenn man davon ausgeht, dass kognitive Informationsverarbeitungsprozesse auf die Aufmerksamkeitszuwendung folgen, kann aufgrund von Eye-Tracking Daten auch auf Prozesse der Informationsverarbeitung geschlossen werden. Um dies zu tun, müssen allerdings drei Annahmen getroffen werden: Die ‚eye-mind assumption‘, welche besagt, dass betrachtete Objekte im Moment der Betrachtung auch Gegenstand der zentralen Verarbeitung sind, die ‚immediacy assumption‘, welche das Übereinstimmen von Fixationsdauer und Verarbeitungsdauer beschreibt und die ‚Sequenzannahme‘, welche voraussetzt, dass sich aus der Fixationsabfolge die Abfolge der kognitiven Verarbeitung rekonstruieren lässt (Rötting, 2001). Als Parameter für kognitive Informationsverarbeitungsprozesse kann die Fixationsdauer herangezogen werden. Diese gilt es aber um die Dauer der ‚saccadic supression‘, also um rund 160 Millisekunden zu bereinigen. Während der ‚saccadic supression‘ kann nämlich keine visuelle Umweltinformation verarbeitet werden (Rötting, 2001; Volkmann et al. 1976).
Studienergebnisse lassen darauf schliessen, dass die Intensität der emotionalen Erregung am Pupillendurchmesser abgelesen werden kann. Die Valenz der erlebten Emotionen kann allerdings nicht anhand von Eye-Tracking Daten erhoben werden (Partala & Surakka, 2003). Diese Dimension von erlebten Emotionen muss daher mit einer anderen Erhebungstechnik erfasst werden. Dies kann im Rahmen einer Vorstudie, anhand eines Schiebereglers während der Rezeption eines emotional erregenden Stimulus oder nach der Rezeption des Stimulus anhand einer Fragebogenerhebung geschehen.
Literatur
Kain, S. (2007). Erfassung der Aufmerksamkeitsverteilung auf Webseiten. Grundlagen, Konzepte, Methoden. Saarbrücken: VDM Verlag.
Partala, T. & Surakka, V. (2003). Pupil size variation as an indicator of affective processing. International Journal of Human-Computer Studies, 59, 185-198.
Rötting, M. (2001). Parametersystematik der Augen- und Blickbewegungen für arbeitswissenschaftliche Untersuchungen. Aachen: Shaker Verlag.
Volkmann, F. C., Riggs, L. A., White, K. D. & Moore, R. K. (1976). Contrast sensivity during saccadic eye movements. Vision Research, 18, 1193-1199.